Dienstag, 14. Juli 2015

Sprachanpassungen mit lustigem Mischmasch

Wir leben ja sowieso mit ganz vielen Anglizismen, auch in Deutschland meine ich. Die ganze Computersprache sowieso, und vieles andere mehr. Man kann es aber noch mehr mischen! Nach fast 4 Jahren Australien hoert sich dann unser deutsch-englischer chat etwas schraeg an:


  • Ich habe das Bild eingefarbt (coloured in)
  • Kannst Du mir das Form einfuellen (to fill in the form)
  • Das mache ich dann in die Schule (die leidigen 4 Faelle!)
  • Ich habe gut gelistened (gut zugehoert)
  • Bei grandma habe ich dann nach treasuren gehunted (nach Schaetzen gesucht) 
usw.

Ich korrigiere oft, muss aber vorsichtig sein, die Unterhaltung dabei nicht voellig zu torpedieren. Sorgen macht mir eher die Grammatik, die den Bach runtergeht, Ich troeste mich damit, dass vor allem John (der sich da schwerer tut) nach wenigen Wochen Deutschland wieder sehr gut sprechen koennte. Die Sache mit den Faellen (die Schule - aber: in der Schule, usw.) ist allerdings ziemlich knifflig, und ich weiss nicht, ob man das einfach so lernt, wenn man schon etwas aelter ist.

Wir treffen auch manchmal deutsche Freunde hier, das ist auch immer gut. Demnaechst bekommen wir auch 8 Wochen Besuch aus Bayern, juhu, das koennen wir gut gebrauchen!

Schmunzeln musste ich heute allerdings, als ich John mit Fehlern im Englischen ertappte. Er sagte: 
I overnighted by my grandma's place. 
Das klingt schon sehr vom Deutschen ins Englische uebersetzt, haehae, also habe ich noch nicht so ganz verloren! :-) Hang in there, John!



Dienstag, 2. Juni 2015

Winterbeginn und einige Beobachtungen zum The Aussie Way

Frostige Nachttemperaturen und auch empfindlich kuehl bei Tag, bevor die Sonne etwas Kraft entfalten kann. 5 Grad gestern Nacht, brrrr. Heute auch kristallklarer Nachthimmel bei Vollmond. Es dunkelt gegen 5 Uhr. Wir haben unseren Gasheizkoerper im Wohnzimmer wieder in Betrieb genommen - lebensnotwendig! :-)

Die Umstellung auf Winterkleidung klappt besonders bei den kleineren Kindern nur schlecht. Es scheint eine Zumutung zu sein zu verlangen, dass John nun nicht mehr die Nachmittage in Shorts und T-Shirt verbringen soll. Kapuzenjacke vielleicht grad noch nach viel Draengen, aber eine lange Hose??!!

Frank erzaehlte, dass heute Morgen (es war nachts 5 Grad, wie gesagt) einige Kinder an der Schulbushaltestelle mit kurzer Sporthose und T-Shirt standen. Denen sei nicht kalt, sagte der Vater, der daneben stand! Ja, man ist hier nicht so verpimpelt, scheint mir, aber es ist schon krass, diese Laessigkeit.

Charlotte sagte mir vorhin, dass ihre Year Adviser (Vertrauenslehrerin, die einen die ganze Highschoolzeit begleitet) heute gemeint hat, die Jugendlichen sollen sich nicht dauernd ueber die Kaelte beschweren und fragen, ob sie die Pausen drinnen verbringen duerfen (darf man naemlich grundsaetzlich nicht). Man solle sich lieber ein Beispiel an ihr nehmen: Sie habe das auch 13 Schuljahre lang durchgestanden und sie habe es ueberlebt. - Haja, das leuchtet doch ein, oder? Aber ehrlich: Man koennte sich ja schon mal eine Strumpfhose unter den Minirock anziehen und in eine Jacke schluepfen...

Die Schulversammlung fand dann auch draussen statt, wo alle Platz haben. Die Kinder/Jugendlichen mussten alle auf dem Teer sitzen. Im Sommer sag ich ja nichts, aber wie gesagt: Es ist alles andere als warm im Moment! Sorry, aber da bin ich immer noch fassungslos. Vielleicht aendert sich das ja mit den Jahren.

Die Schuluniform fuer John ist im Winter genau wie im Sommer, nur gibt es eine lange graue Hose aus GANZ duennem Stoff, duenner als die Sommershorts! In den Pausen muessen die Grundschulkinder auch nach wie vor fuer 10 Minuten draussen auf dem Schulhof auf dem geteerten Boden sitzen, bis gegessen wurde. Erst dann duerfen sie aufstehen und spielen. Auf dem Schulhof steht immer mindestens ein Lehrer mit Mikrofon und gibt Anweisungen, da geht es also sehr geordnet zu. And NO RUNNING!

Ach ja, in den Australischen Alpen (bei Canberra) waren es wohl -9 Grad gestern und es gab 30cm Neuschnee! Australien ist cool!



Donnerstag, 28. Mai 2015

Mobbing und Bullying an der Schule

Zu meinem letzten Eintrag faellt mir dann noch ein Zusatz ein:

Mobbing oder Bullying an den Schulen hier in Australien ist ein absolutes no-no. Das wird sowas von rigoros unterbunden, und zwar von den Lehrern. In Deutschland meinen die Lehrer oft, dass sie da nichts machen koennen.... hier ist es grosse Aufgabe der Schule bzw. der Lehrer, die Kinder zu schuetzen. Und das tun sie gut! Ich hoere das auch von den Eltern anderer Schulen, also nicht nur von unserer eigenen. Ich bin mir nicht sicher, wie sie das genau machen, aber auf jeden Fall ist es Aufgabe der Lehrer klaerend einzugreifen, und die Kinder zur Brust zu nehmen, die andere aergern. Ich finde das total gut.

Wir Eltern wurden nochmal kuerzlich im 14-taegigen Rundschreiben der Schule darauf hingewiesen, dass wir als Erwachsene auf keinen Fall ein anderes Kind ansprechen duerfen, wenn es um Probleme in der Schule mit dem eigenen Kind geht. Das sei Aufgabe der Schule - man solle sich bei Problemen immer direkt an die Schule oder den Lehrer wenden, nie an das Kind direkt, mit dem Dein Kind Probleme hat. So deutlich habe ich das in Deutschland nie gehoert.

Als Mutter entspannt mich das! Die Probleme in der Schule bleiben dann in der Schule und werden dort geklaert, da vertraue ich dem Personal. Ich kann jederzeit einen Gespraechstermin bekommen, persoenlich oder auch telefonisch, wenn ich das will. Und meine Erziehungsaufgabe zu Hause habe ich weiterhin, das reicht doch. Ich WILL auch gar nicht ueberall mich einmischen und mitmischen. Solange ich weiss, dass alles in guten Haenden ist und mein Kind gern zur Schule geht, dort ein zweites Zuhause hat.

Das ist wirklich entspannt, thanks Australia!


Mittwoch, 27. Mai 2015

Immer wieder nett...

... neulich holte ich John von der Scout-Gruppe ab, es war abends, dunkel und kalt (es ist ja Herbst hier). Wir waren noch etwas zu frueh dran, die Tuer der Scout-Halle war noch zu und die Eltern warteten draussen und unterhielten sich.

Da kam ein Vater an mit Business-Hose und Hemd, und er war BARFUSS. Ich fand das erstaunlich, erst mal, weil das so komisch aussah, aber ausserdem war es stockfinstere Nacht und auch noch ziemlich kalt. Ich stierte also etwas ueberrascht und erschrocken auf seine nackten Fuesse und wunderte mich, was mit ihm passiert sei (hab aber nix gesagt - hab ich hier schon gelernt, so ne englische Zurueckhaltung wenn es um Persoenliches geht).

Aber warum ich das erzaehle: NIEMAND (ausser mir) schien das zu bemerken, oder es war keine Bemerkung wert?! Da muss ich dann mal wieder vergleichen: Wenn das in Deutschland passiert waere, haette man doch ein bissl gewitzelt darueber, ihn aufgezogen, oder zumindest sich gegenseitig vielsagende Blicke zugeworfen. Nee, hier nicht. Man darf alles. Wenn jemand Lust hat nach seinem Buerotag nachts in aller Kaelte barfuss rumzulaufen - dann soll er! Soviel Freiheit muss sein.

Genau das ist es, was mich hier immer wieder angenehm ueberrascht!

Nachtrag:
Nach einem Spaziergang mit Frank, hier sein Kommentar dazu (Frank ist Australier, er muss es ja wissen). Sinngemaess gebe ich wider:
Sicher hat jeder bemerkt, dass er im Businessdress und barfuss war. Aber man will ihn nicht blossstellen, indem man hinguckt. Macht jemand eine Bemerkung zu dem Barfuss, dann stellt derjenige sich selber bloss und macht sich angreifbar. Kein Erwachsener hat das Recht einen anderen Erwachsenen zurechtzuweisen oder sich ueber ihn lustig zu machen. Das waere peinlich fuer den Angreifer. Man will, dass sein Gegenueber sich so wohl wie moeglich fuehlt. -

Mmh. Interessante Erklaerung. Deswegen spricht man wohl so gern uebers Wetter - das ist und bleibt neutral. Irgendwie aber langweilig, oder? So ein bissl am anderen rumpieksen ist doch auch lustig, und dann lernt man sich doch viel eher kennen. Diese Zurueckhaltung ist also schon auch zweischneidig - eine enge Gratwanderung zwischen 'dem anderen Freiheit lassen' und 'sich nah genug kommen um sich kennenzulernen'. Wie in meinen Blogeintraegen ersichtlich ist das immer wieder Thema in meinen Gedanken: die mir fehlende gefuehlte Naehe zu den Aussies.

Jetzt endet der Blogeintrag eher negativ, was ich nicht beabsichtigt habe. Dass hier nicht gemobbt wird, ist auf jeden Fall sehr positiv! Das als Schlusswort zu diesem Thema!




Sonntag, 10. Mai 2015

Muttertagsbilder

Fish & Chips am Strand, Faulenzen. Spaziergang barfuss durch den Sand. Faulenzen. Tee trinken, Kuchen essen.

Im Fish&Chips Laden. Das dauert, aber bei guter Laune macht das nichts.
Das ist der Mann, der mich zur Mutter gemacht hat!

Sieht kuehler aus als es war. Schlechte Kamera. Himmel und Meer waren vorwiegend blau.
Das ist die Restfamilie im Moment... Philip ist beruflich in Kanada und USA, Nora war in Spanien, nun Deutschland auf Langzeitbesuch. Wir sind wahnsinnig stolz auf alle - und auch auf unsere Leistung insgesamt. Wir blicken auf eine reiche Vergangenheit und prickelnde Zukunft! Aber auch Entspannung ist noetig und angesagt, siehe naechstes Bild!


Unsere Shelly Beach. Sehr mitgenommen von den Stuermen!
Sandrutsche mit Boogie Boards

Das Hochwasser/Sturm hat den halben Sand weggespuelt.



Hard work - someone has to do it!



Samstag, 9. Mai 2015

Damit man auch wirklich Bescheid weiss, wenn man an den Strand kommt! Ordnung muss sein, auch in Australien!


No kidding, in Australien gibt es GANZ viele Regeln. Alles im Namen der Sicherheit.

Es wird nun auch besprochen, wieviel Spionage in die Privatsphaere jedes Buergers sein darf. Zur Terrorvermeidung. Australien ist schon laengst nicht mehr so frei, wie man immer glaubt. Schoene neue Welt.

Sonntag, 26. April 2015

3,5 Jahre Australien - Tagesaktuelle Bilanz

Wir sind nun seit ungefaehr 3,5 Jahren hier in Australien. Kommt mir viiiiel laenger vor, mindestens doppelt so lang! Wir tauchen nun also langsam in unseren vierten Winter. Der Alltag steht, die Routinen laufen, wir sind immer noch am Beobachten und vergleichen (siehe meinen Blog...), aber wir schwimmen mit im Alltag und haben uns eigentlich mit allem arrangiert.

Vor die Wahl gestellt, wo ich auf Dauer leben wollte, wuerde ich zu diesem Zeitpunkt sagen: Hier in Australien, aber mit der Option jedes Jahr einen langen Europa-Urlaub einlegen zu koennen. Wir geniessen hier das wunderbare Wetter sehr, die perfekten Straende und die frische Luft, uns gefaellts, dass die Leute so locker drauf sind, die Freundlichkeit, die Privatssphaere, die man uns laesst. Jeder kann eigentlich machen, was er will, im Sinne von "ich bin ok, Du bist ok".

Genau diese Laessigkeit stoert uns aber auch oft. Die gelebte Oberflaechlichkeit (jedenfalls nach aussen hin). Die fehlende Tiefe im Gespraech. Der ewige Smalltalk und Vermeidung von Konfliktgespraechen, wenns mal endlich ums Eingemachte gehen koennte. Zuviel nur nett sein zueinander, aber nicht wirkliches Gespraech. Das Hintenrum. Insgesamt komme ich mit Australiern gut zurecht im Alltag - man schiesst so seine Saetzchen hin und her, oft recht stereotyp, wie ich finde. Wirkliche Freundschaft habe ich bisher nicht gefunden. Aber zum Glueck bin ich reich beschenkt mit meiner Familie und fuehle mich vielen Menschen freundschaftlich verbunden. Das koennen auch Fern-Freundschaften sein, und die kann ich auch gut pflegen, und sie geben mir, was ich brauche. So seh ich das grade.... :-)

Aber auch in Europa: Die Vielfalt der Menschen und Landschaften, die kurzen Wege, die herrlichen Staedte mit all ihrem kulturellen Erbe, die wunderbaren Kirchen und die verschiedensten Baustile, bezahlbare Auffuehrungen auf Weltbuehnen. Die Lebensqualitaet insgesamt. Die Sprachenvielfalt. Biergaerten und das gute Bier! Deftiges Essen. Qualitaet von Handwerk und Industrie. - Das alles ist auch viel wert und wird hier vermisst von uns allen.

Deswegen waere fuer mich die ideale Lebensweise ein Spagat zwischen den Kontinenten, mit Lebensmittelpunkt Australien. Wenns weiter nichts ist...